Ingenieurbüro Jahn
Kamenzer Straße 57 - 01990 Ortrand
Tel.: 035755 - 699301 Fax: 035755 - 51209

Kontakt Sitemap Qualifikation

Links

Startseite

Fachgebiete
Hochbauplanung

Freianlagen
Ingenieurbauwerke
Tragwerksplanung
Bauphysik

Gutachten

Referenzen

Bauherreninfos

Energiepaß

Häufige Fragen

Fachbeiträge
Bundesbaublatt
Ingenieurblatt
Dächer

Bauschaden-
sammlung

Bessere Marktchancen für Ingenieure erschließen

Beitrag für die Beilage der Brandenburgischen Ingenieurkammer zur Monatszeitschrift "Deutsches Ingenieurblatt" Juni 1999

Auf dem 3. Ingenieurkammertag im vergangenen Jahr wurden zahlreiche Gedanken über Berufsethik vorgetragen. Es wurde sogar über einen Berufseid diskutiert, ähnlich wie er bei Ärzten üblich ist. Meines Erachtens ist diese Überlegung nur als Nuance zur Aufwertung des Ansehens unseres Berufsstandes zu sehen. Der Berufseid führt leicht zu einer Verklärung des Erscheinungsbildes, da sich an der Person, welche den Eid ablegt, nichts ändert. Ähnlich wie mit dem Berufseid verhält es sich mit der Zertifizierung nach ISO 9000. Sie ist als Qualitätsmaßstab für Ingenieurarbeit irreführend.

Mir scheint es wichtiger zu sein, daß sich die Ingenieurkammer mehr mit praktischen Wechselwirkungen des Berufsstandes zu seinem komplexen Umfeld auseinandersetzt, um die Chancen ihrer Mitglieder zu verbessern. Dazu seien als Anregung einige Gedanken erläutert:

Primär stellt sich das Verständnis der Rolle des Ingenieurs im gesamten Prozeß von der Planung bis hin zur Realisierung von Bauvorhaben dar. In diesem Bild bleiben jedoch die wirtschaftlichen Zusammenhänge weitgehend unberücksichtigt.

Ausgangspunkt: Wettbewerb kontra Qualität

Im Baugewerbe zwingt der Wettbewerb die Unternehmen Arbeitskräfte einzusetzen, die möglichst geringe Lohnkosten verursachen. Das trifft nicht nur auf Handwerker zu, sondern auch auf Poliere und Bauleiter, deren tarifliche Einkommenshöhe sich bei der Kalkulation der Preise sehr deutlich bemerkbar macht. Das führt zwangsläufig zur Reduzierung in dieser Ebene. Viele Baubetriebe profitieren dabei von den Erfahrungen versierter Handwerker.

Somit können Unternehmen mit einem geringen Anteil an qualifiziertem Leitungspersonal mit geringeren Gemeinkosten kalkulieren und haben wegen des niedrigen Angebotspreises oft die besten Chancen, den Auftrag zu erhalten.

Noch krasser stellt sich das Problem dar, wenn Ingenieurleistungen im Auftrag enthalten sind. Typisch ist das auf dem Gebiet des Betonfertigteilbaus und bei den Ausrüstungen. Dimensionen werden oft nur geschätzt. So mußte ich in meiner Berufspraxis immer wieder feststellen, daß beim Verständnis für technische Zusammenhänge die Grenzen schnell erreicht werden. Aus dieser Tatsache heraus entwickelt sich zwangsläufig ein Trend, der Pfusch am Bau geradezu provoziert. Die eigentliche Ursache ist dabei der wirtschaftliche Zwang, den die Bauherren auf die Unternehmen ausüben. Den Bauherren sind die Konsequenzen meist nicht bewußt.

In einem ähnlichen Rahmen kann man auch den immer häufigeren Verzicht auf unabhängige solide Planung sehen. Hierbei wirkt der Staat zunehmend unterstützend, indem er die bautechnische Prüfung von Projekten immer mehr einschränkt.

Neue Zielpunkte: Aufklärung der Verbraucher über Ingenieurleistungen.

Gerade dieser Bereich sollte ein wichtiger Ansatzpunkt für die berufspolitische Arbeit der Kammer sein. Durch geeignete Öffentlichkeitsarbeit müssen die fatalen Folgen dieser Entwicklung aufgezeigt werden. Es reicht nicht, wenn die Fachpresse und die fachlich interessierte Öffentlichkeit informiert wird. Der Verbraucher muß Adressat der Kampagne sein. Es ist sicher unbestritten, daß es dem normalen Techniker schwerfällt, den Laien von der Notwendigkeit qualitativ hochwertiger Ingenieurarbeit zu überzeugen, weil seine Argumente eher sachlicher als emotionaler Art sind.

Eine abgestimmte Zusammenarbeit mit den Verbraucherverbänden wäre dabei sicherlich sehr sinnvoll. Darüber hinaus sollten Banken ebenfalls unmittelbarer Adressat der Aufklärung sein. Es muß den Kreditinstituten klargemacht werden, daß bei frühzeitigem Sanierungsbedarf die Refinanzierung von Investitionen gefährdet ist. Selbst im Verwertungsfalle ist ein mangelbehaftetes Objekt schlecht zu veräußern.

Vielleicht sollten sich die Ingenieurkammern der Länder zusammenschließen, wobei eventuell auch die Architektenkammern einbezogen werden können, um eine PR-Agentur mit der Organisation einer entsprechenden Strategie beauftragen. Die Zielstellungen könnten in folgende Richtungen formuliert werden:

· Marketing zur Erhöhung der Nachfrage nach Planungsleistungen

· Aufklärung der Verbraucher über Qualitätsparameter von Ingenieurleistungen

· Auseinandersetzung mit den sogenannten Schlüsselfertiganbietern mit Blickrichtung auf den Widerspruch zwischen Kostenminimierung und Erhöhung der Qualitätsrisiken

· Reduzierung der zunehmend einseitigen Verlagerung von Risiken auf die Subunternehmer und Auftraggeber von Schlüsselfertigbauten

· Zurückdrängen der sogenannten Funktionalausschreibung auf die vernünftigen Fälle im Sinne der VOB/A

· Erhöhung der Sicherheitsbedürfnisse im Hinblick auf die notwendige Prüfung der technischen Unterlagen durch unabhängige Prüfingenieure.

In der Fachtagung der Fachsektion Konstruktiver Ingenieurbau haben die Prüfingenieure deutlich gemacht, daß sich eine starke Tendenz zum Bauen ohne Zeichnung entwickelt. Diese Erscheinung tritt oft beim Schlüsselfertigbau und bei Bauträgergeschäften zu Tage, da es in diesem Bereich in erster Linie um den rein wirtschaftlichen Erfolg geht. Oft sind die Bauherren die Geprellten, da sie fragwürdigen Billigangeboten auf den Leim gehen und die Anbieter infolge Konkurses in der Regel nicht mehr haftbar gemacht werden können. Selbst wenn der Anbieter noch existiert, ist die Durchsetzung von Ansprüchen auf juristischem Wege in der Regel nur mit hohem zusätzlichem finanziellen Aufwand verbunden.

Aber auch in der Rechtsprechung müssen sich die Tendenzen ändern. An einer Vielzahl von Urteilen zeigt sich, daß einige Richter selbst Bauherren waren und frustriert über die Ergebnisse der Auftragnehmer (sowohl Planer als auch Handwerker) sind.

Sehr negativ hat sich die Problematik der Pauschalverträge entwickelt. Der Markt preßt die Auftragnehmer immer mehr in riskante Pauschalvereinbarungen und es gibt kaum noch Schutz bei Mehraufwendungen. Besonders bei komplexen Leistungen leiden die Subauftragnehmer darunter. Das beginnt in der Regel beim Zahlungsverhalten. Der Subunternehmer bekommt seine Vergütung erst, wenn der Hauptauftragnehmer seine Zahlungen erhalten hat. Zwischen der Fertigstellung der Leistung und der Vergütung können somit Monate vergehen. Der Subunternehmer wird so zum unfreiwilligen Kreditgeber für den unmittelbaren Auftragnehmer. Da aber die Aufträge mit zunehmendem Umfang immer mehr von größeren Auftragnehmern abhängig sind, befürchten die Subunternehmer, bei zukünftigen Aufträgen nicht mehr berücksichtigt zu werden. Somit gibt es kaum Gegenwehr gegen diese Praxis.

Unabhängig davon dürfte es sich auch herumgesprochen haben, daß bei Vorhaben mit Generalauftragnehmern (Planung und Ausführung) die Subunternehmer durch die Preisdrückerei gezwungen sind, den zu erwartenden Verlust durch Lohndumping und mangelnde Qualität in Grenzen halten. Die Problematik der sogenannten Komplettangebote könnte man noch weiter diskutieren. Das führt jedoch zu weit von der Frage nach Zielrichtungen der Marketingarbeit für Ingenieure weg.

Zusammenfassend bitte ich den Präsidenten unserer Kammer, den Vorstand und die Kammervertreter, gemeinsam mit dem Ausschuß für Öffentlichkeitsarbeit neue Akzente in der Öffentlichkeitsarbeit zu setzen, um die Marktchancen für Ingenieure und Architekten zu verbessern.